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Tignanello & Co. – Die Weinrevolution der Supertoskaner

Die Toskana zählt zu den renommiertesten Weinregionen der Welt. Klassiker wie Chianti Classico, Brunello di Montalcino oder Vino Nobile di Montepulciano stehen für Tradition, Herkunft und Stil. Doch ab den 1970er-Jahren entstand in der Region eine Bewegung, die den italienischen Weinbau nachhaltig verändern sollte: die Supertoskaner.

Was als bewusster Regelbruch begann, entwickelte sich zu einer der einflussreichsten Weinrevolutionen Europas. Weine wie Tignanello, Sassicaia, Ornellaia, Guado al Tasso oder Biserno stehen heute für moderne toskanische Spitzenweine mit internationalem Renommee.


Was versteht man unter einem Supertoskaner?

Der Begriff Supertoskaner bezeichnet hochwertige Rotweine aus der Toskana, die ursprünglich ausserhalb der klassischen DOC- und DOCG-Regeln erzeugt wurden. Winzer entschieden sich bewusst für mehr Freiheit bei Rebsorten, Ausbau und Stilistik, um Qualität kompromisslos in den Vordergrund zu stellen.

Typisch ist der Einsatz internationaler Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc oder Syrah – oft kombiniert mit Sangiovese. Dadurch entstanden kraftvolle, strukturierte und zugleich elegante Weine, die neue Massstäbe setzten.


Die Geburt einer Revolution

In den 1960er- und 1970er-Jahren galten die italienischen Weingesetze vielen Spitzenproduzenten als zu restriktiv. Qualität, Terroir und Innovationsgeist fanden kaum Platz. Einige visionäre Winzer begannen deshalb, bewusst eigene Wege zu gehen.

Die daraus entstandenen Weine wurden zunächst als Vino da Tavola eingestuft – ein scheinbarer Widerspruch, da sie qualitativ weit über vielen klassifizierten Weinen lagen. Doch genau dieser Widerspruch wurde zum Ausgangspunkt einer Revolution.


Tignanello – Symbol des Umbruchs

Innerhalb dieser Bewegung nimmt Tignanello eine Schlüsselrolle ein. Er gilt als einer der ersten Weine, der Sangiovese konsequent im Barrique ausbaute und mit internationalen Rebsorten kombinierte. Damit brach er nicht nur mit Regeln, sondern mit Denkweisen.

Tignanello wurde zum Sinnbild einer neuen toskanischen Identität: traditionsbewusst, aber offen für Innovation. Sein Stil vereint Tiefe, Eleganz und Struktur und machte ihn früh zu einer Referenz für moderne italienische Spitzenweine.


Bolgheri – neue Heimat grosser Supertoskaner

Während die frühen Supertoskaner im Chianti-Gebiet entstanden, entwickelte sich mit Bolgheri an der toskanischen Küste eine weitere Schlüsselregion. Das maritime Klima und die kies- und lehmhaltigen Böden boten ideale Bedingungen für Bordeaux-Rebsorten.

Hier entstanden einige der heute renommiertesten Supertoskaner.

Guado al Tasso, aus dem Hause Antinori, steht exemplarisch für den Bolgheri-Stil: kraftvoll, tiefgründig und zugleich elegant. Der Wein verbindet internationale Struktur mit mediterraner Wärme und zeigt, wie präzise moderne toskanische Weine heute vinifiziert werden.

Ebenfalls aus der Küstenregion stammt Biserno, ein vergleichsweise junger, aber hoch angesehener Supertoskaner. Er verkörpert einen besonders feinen, ausgewogenen Stil mit grosser aromatischer Tiefe und klarer Terroir-Prägung – ein Beispiel dafür, wie sich die Supertoskaner kontinuierlich weiterentwickelt haben.


Stilistische Gemeinsamkeiten der Supertoskaner

Trotz ihrer Vielfalt teilen Supertoskaner einige grundlegende Merkmale: Konzentration, Struktur und Reifepotenzial. Dunkle Frucht, würzige Noten und eine harmonische Holzintegration prägen viele dieser Weine. Entscheidend ist jedoch weniger ein einheitlicher Stil als vielmehr der Anspruch, das maximale Potenzial von Lage, Rebsorte und Jahrgang auszuschöpfen.


Von der Rebellion zur Anerkennung

Mit der Einführung der IGT Toscana erhielten Supertoskaner in den 1990er-Jahren einen passenden rechtlichen Rahmen. Viele Produzenten halten bis heute bewusst an dieser Klassifikation fest – nicht aus Notwendigkeit, sondern als Ausdruck ihrer Unabhängigkeit.

Einige Ausnahmen wie Sassicaia erhielten später sogar eine eigene DOC, was die Bedeutung dieser Weine für den italienischen Weinbau unterstreicht.


Supertoskaner und Genuss

Dank ihrer Struktur eignen sich Supertoskaner hervorragend zu kräftigen Speisen wie Rind, Wild oder Schmorgerichten. Gleichzeitig sind viele dieser Weine auch als Solisten geschätzt – Weine, die Zeit, Aufmerksamkeit und Anlass verdienen.


Fazit

Supertoskaner sind das Ergebnis einer mutigen toskanischen Weinrevolution. Weine wie Tignanello, Guado al Tasso oder Biserno zeigen, wie erfolgreich der Brückenschlag zwischen Tradition und internationalem Stil gelingen kann.

Sie stehen für Innovationsgeist, kompromisslose Qualität und eine neue Definition toskanischer Eleganz – und gehören heute zu den grossen Klassikern der Weinwelt.